Finanzlexikon

Das Finanzlexikon ist extrem umfangreich und zählt sicher zu den aufwendigsten und besten, die der Finanzmarkt zu bieten hat. Es wird auf Grund des enormen Umfangs sukzessiv online gestellt, wobei nicht das gesamte Finanzlexikon berücksichtigt wird – sondern nur die Begriffe, die in irgendeiner Form einen thematischen Bezug zu unserer Website haben. Ein ganz besonderer Dank gilt Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen für dieses excellente Finanzlexikon, das sowohl vom Umfang als auch von der Qualität der Ausführungen und seiner Anschaulichkeit seinesgleichen sucht.

 

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Abgeld (discount): In älteren Dokumenten ist damit durchgängig ein geminderter Wertansatz gemeint. Siehe Abschlag. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ablehnung (decline): In Zusammenhang mit dem Geldkarten-Geschäft die verneinende Auskunft auf eine Autorisierungsanfrage bei der Karten ausgebenden Bank. Dabei wird ein Applikationskryptogramm (application authentication cryptogramme) erstellt und gespeichert, um auffällige Kartennutzer herauszufiltern. Siehe Autorisierung, Computerzahlung, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldbörse, elektronische, Geldkarte, Geldwäsche, Karten-Echtheitsprüfung, Karteneinsatzdatei, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay per Touch, Radio Frequency Identification, Scoring, Ticketing, elektronisches. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abruffrist (recall period): Zur notwendigen Liquiditätsplanung der Bank vorgegebener Zeitraum, innert dessen ein Kunde über ein ihm gewährtes Darlehn verfügen soll. Siehe Abrufrisiko, Vorratskredit. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abrufrisiko (call risk): Bei einer Bank die Gefahr, dass Œ Kreditnehmer ungeplant ihnen eingeräumte Kreditlinien in Anspruch nehmen (im Aktivgeschäft) oder in unerwartet hohem Umfang Kundeneinlagen abgezogen werden (im Passivgeschäft). Dadurch entsteht für das Institut ein Liquiditätsrisiko bzw. ein Refinanzierungs-Risiko, das durch entsprechende Massnahmen des Risikomanagements abgedeckt werden muss. Siehe Abruffrist, Downside Risk, Risiko, Terminrisiko, Vorratskredit. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Absicherung (herging): Auf dem Kreditmarkt das Eingehen einer Sicherungsnehmer-Position durch Verkauf des Kreditrisikos an einen Sicherungsgeber (fixed rate payer), und wenn nichts anders gesagt mittels eines Kreditderivats (seltener auf Bürgschaften und Garantien bezogen). Die Übertragung eines aus einer ungünstigen Preisbewegung allfällig entstehenden Verlustrisikos durch den Kauf oder Verkauf von Kontrakten im Terminmarkt. Soll eine Gut (Finanzprodukt, Ware) in der Zukunft gekauft werden, so kauft man heute einen Terminkontrakt (lang herging). Soll die Ware in der Zukunft verkauft werden, dann verkauft man heute einen Terminkontrakt (schort herging).

Bei einem Finanzprodukt die Gewähr, dass das Papier grundsätzlich zum Emissionspreis zurückgenommen wird, wie bei einem Garantieprodukt oder Garantie-Zertifikat. Siehe Aushaftung, Aval, Call, Hedge-Geschäft, Ersatz-Sicherungsgeschäft, Futures-Märkte, Kreditderivat, Kreditereignis, Long-Hedge, Modellrisiko, Put, Risiko, Rohstoffpreisrisiko, Rohstoff-Terminvertrag, Option, Rollover-Kredit, Short-Hedge, Spekulation, Waren-Terminkontrakt, Worst Case Hedging, Zinsoption, Zinstauschgeschäft. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abtrag (half-year duty, deportus): In älteren Dokumenten die Zahlung, welche der in eine Stelle (Pfründe; prebend) eingewiesene Geistliche (Pfründner; prebendary) dem Bischof abzugeben hatte; in der Regel die Hälfte der Früchte des ersten Jahres. Siehe Annaten. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abzahlung (partial payment, payment by instalment; clearing off): Teilzahlung eines Betrags in Raten. Die völlige Ablösung einer Schuld durch Zahlung. Siehe Tilgung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abzahlungsfrist (down payment period): In Zusammenhang mit Privatkrediten (Konsumentenkrediten) die Zeit, an deren Ende ein aufgenommenes Darlehn an die Bank zurückbezahlt werden muss. In den USA kann die Zentralbank diese Frist festlegen und damit die Kreditgewährung an die Privathaushalte beeinflussen. Siehe Balloon, Darlehn, Kunde, fauler, Privatkredit, Mindesteinschuss-Sätze, Mindest-Raten, Ratenzahlung, Überkonsum. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abzinsung (discounting): Rechenverfahren der Zinseszinsrechnung. Es gestattet die Errechnung des Barwertes (Gegenwartswertes) aus einem gegebenen Endbetrag bei gegebener Laufzeit und Verzinsung mit Hilfe des Diskontierungsfaktors. Siehe Finanzmathematik, Kapitalisierung, Kapitalwert, Netto-Kapitalwert. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2010, S. 66 f. (Ermittlung der Sätze nach der Rückstellungsabzinsungsverordnung bei der Deutschen Bundesbank). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abzocker (con artist, rip-off artist): Anbieter, die Personen mit vielerlei zweifelhaften Methoden zu einem Vertragsabschluss gegen ihren Willen bringen, wobei nicht zwingend die strafrechtlichen Voraussetzungen des Betrugs erreicht werden müssen. Weil jedoch Abzocker die Bezahlung des so gewonnenen Kunden in aller Regel über eine Bank tätigen, so geraten auch die entsprechenden Institute in Verruf, die Machenschaften der Abzocker zu unterstützen. Die Aufsichtsbehörden können Banken lediglich auf solche fraglichen Geschäftsbeziehungen hinweisen, nicht jedoch eine Kündigung des Kontos verfügen. Siehe Cold Calling, Daimonion, Darkrooming, Domizil-Verschleierung, Finanzforen, Finanzgeier, Kapitalmarkt, grauer, Racheengel, Spam-Mails, Winkelmakler. Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 242 f. (BaFin kann nicht direkt einschreiten; Abzocker wehren sich vor Gericht erfolgreich gegen Kontenkündigung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Account (so auch häufig im Deutschen gesagt): Konto, Abrechnung, Zugangsberechtigung (access authorisation) zu einem IT-System. Bericht, Schilderung, Darlegung. Siehe Finanzsprache. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Acquirer (so auch im Deutschen gesagt): Ein Unternehmen, das Verträge über die Annahme von Geldkarten einer Karten ausgebende Bank bei Verkaufspunkten (in Handel, Tankstellen, Beherbergungsgewerbe, Gaststätten, Autovermietungen, Fluggesellschaften usw.) abschliesst. Siehe Barzahlungsklausel, Disagio, Geldautomaten-Sperre, Interchange Fee, Karte.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Advance Letter (so auch im Deutschen; seltener Warmhaltebotschaft): Im Finanzbereich ein Werbebrief (ad mail) mit dem Zweck, Aufmerksamkeit für die Dienste einer Bank zu erwecken; in der Regel als Vorlauf zu einem späteren Anruf oder Besuch und oft mit einem Lockangebot (Köder; appetiser) ausgestattet. Siehe Akzessibilität, Anruf-Ankündigung, Beziehungspflege, Call Centre, Canvassing, Cold Calling, Mail Shot. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Akkreditiv (letter of credit, L/C): Ein Dokument, durch welches jemanden bei einem Dritten (in der Regel: bei einer Bank) ein Kreditlinie eröffnet wird. Früher wurde ein solches Schreiben gewöhnlich Reisenden mitgegeben, die durch diesen Kreditbrief auch gleichzeitig dem Adressaten empfohlen wurden. Siehe Borgkraft, Eventualforderung, Kreditlinie. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktie (share, US: stock): Wertpapier, das den Anteil an einer Gesellschaft (in Deutschland an einer Aktiengesellschaft [AG] oder Kommanditgesellschaft auf Aktien [KGaA]) verbrieft. Die Ausgabe von Aktien wird als Begebung (Emission) bezeichnet. Aktien, die gemeinsam begeben werden, bezeichnet man als Tranche. Aktien werden zunächst bei der Gründung der Gesellschaft und später üblicherweise im Rahmen von Kapitalerhöhungen ausgegeben. Die Besonderheit der Aktie liegt darin, dass sie (im Gegensatz zu sonstigen Schuldtiteln) vom Emittenten nicht zurückbezahlt werden muss und an der Börse gehandelt werden kann. Aktionärsrechte werden regelmässig durch Stammaktien (im Börsenjargon auch “Stämme”; ordinary shares, US: common stocks) vertreten.

Die Gesellschaft kann darüber hinaus Anteile auch in Form von Vorzugsaktien (im Börsenjargon “Vorzüge”; preference share, US: preferred stock) mit bestimmten, gesetzlich umrissenen Sonderrechten begeben. Siehe Aktienmarkt, Anteilschein, Emissionsgeschäft, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Konzertzeichner, Leeraktie, Leitwert, Plazierung, Quotenaktie, Safe Haven Flows, Schmuckanleihe, Stammaktie, Vorratsaktie, Wert, zyklischer, Wertpapier-Verkaufsprospekt, Zulassungsstelle, Zweitplazierung, Zwischenschein. Vgl. den Anhang “Statistik des Euro-Währungsbiets”, Rubrik “Finanzmärkte” im jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort Umlauf und Jahreswachstumsraten von Aktien, nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt. In der Rubrik “Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten”, Unterrubrik “Wichtige Verbindlichkeiten der nichtfinanziellen Sektoren” auch Daten über die Emission von börsennotierten Aktien. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienanleihe (equity-linked bond, reverse convertible bond): Der Emittent eines solchen Papiers behält sich das Recht vor, die Begebung unter im einzelnen genau festgelegten Bedingungen durch Lieferung von Aktien zu tilgen. Im Gegensatz zu den üblichen festverzinslichen (fixed interest bearing) Wertpapieren weisen die Aktienanleihen einen höheren Nominalzins aus. Denn während der Anleger in bei einem festverzinslichen Wertpapier sein eingesetztes Kapital bei Fälligkeit zu 100 Prozent zurückerhält, ist dies bei Aktienanleihen nicht unbedingt der Fall. Denn der Basiswert kann bei Fälligkeit der Anleihe unter dem Bezugspreis liegen. Siehe Aktien-Optionen, Anleihe, strukturierte, Diskont-Zertifikat, Zertifikat. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienindex (share index): Anhand eines Musterdepots (Aktienkorb) errechnete statistische Kennzahl über die Entwicklung der erfassten Aktienkurse an einer oder mehrerer Börsen. Der Stand des jeweiligen Index hat (wie die Erfahrung zeigte) für Kauf- und Verkaufsentscheidungen eine erhebliche Bedeutung. Auch gelten Gesamtmarkt-Indizes (wie etwa der Dax) weithin als Konjunkturbarometer. Bei längerer Betrachtung eines Aktienindex ist stets auf Veränderungen des Aktienkorbes zu achten. Auch muss das nicht selten anzutreffende Übergewicht bestimmter Standardwerte, und sintemal bei kleineren Börsen, berücksichtigt werden. Siehe Composite, Dax, Dow-Jones-Average, Kursindex, Nemax, Performanceindex, Swiss Market Index, Xetra. Vgl. den Verlauf wichtiger Indizes im Teil “Statistik des Euro-Währungsgebiets” des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Rubrik “Finanzmärkte”, Unterrubrik “Börsenindizes”; Monatsbericht der EZB vom Juni 2006, S. 40 f. (Veränderungen in der Zusammensetzung der Aktienkurs-Indizes; mit Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienmarkt (share market, equity market, stock market): Das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage für die Begebung und für den Handel von Eigentums-Anteilen an Unternehmen (the market in which equities are issued and traded). Der wesentliche Unterschied zwischen Aktien und Schuldtiteln besteht darin, dass Aktien vom Emittenten nicht zurückbezahlt werden müssen (equities do not have to be repaid by the issuer). Siehe Aktienhandel, Börse. Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 67 ff. (Strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt und Konsolidierung der Börsen; ausführliche Darstellung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Allfinanz (financial products completely, universal financial services): Das Angebot sämtlicher mit dem Geldverkehr zusammenhängenden Geschäfte (neben Bankdienstleistungen vor allem auch Versicherungen) durch einen einzigen Anbieter allein (dann in der Regel mit breitem Zweigstellennetz sowie elektronischem Zugang zu den einzelnen Sparten) oder in Zusammenarbeit mit einem oder mehreren anderen. Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bankassekuranz, Finanzkonglomerat, Gibrat-Regel, Gigabank, Megamanie, One-Bank-Delivery, Subsidiaritätsprinzip. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 40 f. (dort auch wichtige Unterscheidungen). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Alternativbank (alternative bank): Institut, das sich hinsichtlich der Einlagen mit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe verbunden ist und in der Regel auch in Bezug auf die Ausleihungen besondere Ziele verfolgt. In Deutschland zählt hierzu beispielsweise die anthroposophisch ausgerichtete “Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken” in Bochum. Siehe Bank, kirchliche, Beziehungsbankgeschäft, Clubbing, Geomarketing, bankliches, Kundenbindung, Networking. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anleger-Informationspflicht (investors information requirement): Banken in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, den Kunden spätestens vor der Annahme seines Kaufauftrags für Wertpapiere über die Eigenschaften und Risiken der Anlageform zu unterrichten und auf andere erhebliche Umstände hinzuweisen, z. B. auf die Möglichkeit der Limitierung von Aufträgen oder auf Mindest-Ordergrössen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat entsprechende Richtlinien hierzu erlassen und überwacht diese gesetzliche Vorschrift. Die Kunden selbst begegnen den vorgeschriebenen Belehrungen gegenüber oft genug verärgert oder unterschreiben die mehrseitigen Informationsblätter, ohne diese durchzulesen, an der “markierten Stelle”. Siehe Aufklärungspflicht, Bankkunden-Profil, Derivates-Informations-Pflicht, Derivate-Kodex, Editionsgebot, Handelssystem, multilaterales, Informationspflicht, Odd-Lot, Prospekt-Rechtssetzung der EU, Risikobericht, Umstände, bewertungswichtige. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlegerschutz (protection of [for] investors): Alle Vorkehrungen mit dem Ziel, Misstände in allen Sektoren auf der Angebotsseite des Finanzmarktes zu verhindern. Siehe Aufsicht, Ausschuss-Wahn, Beaufsichtigung, vollständige, Capture-Theorie, Herstatt-Pleite, Marktmanipulation, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Pensionsfonds-Richtlinie, Rechtsrisiken, Reithinger-Masche, Richtlinie über die Märkte für Finanzinstrumente, Sarbanes-Oxley Act, Solarenergie, Sparerschutz, Straitjacking. Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 126 f. (zum Anlegerschutzverbesserungsgesetz), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 34 (Empfehlungen zum Thema Financial Education), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 48 f. (besondere Regelungen bei Versicherungsprodukten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anschaffungskredit auch Abzahlungskredit (purchasing credit, instal[l]ment credit): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter ein zweckgebundenes Darlehn zum Kauf langlebiger Konsumgüter (wie Küche, Haushaltsmaschinen, Unterhaltungs-Elektronik, Auto), das eine Bank einem Privathaushalt gewährt. Siehe Abstattungskredit, Barkredit, Blankokredit, Dispositionskredit, Konsumentenkredit, Kontokorrentkredit, Personalkredit, Privatkredit, Ratenzahlung, Überziehung, Vorlage. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Asset Management (so auch im Deutschen, manchmal in einem Wort oder auch mit Bindestrich geschrieben). Die Verwaltung der Vermögenswerte eines Unternehmens nach buchhalterischen und steuerlichen Gesichtspunkten. Bei einer Bank ein Bereich, der für Privatkunden, institutionelle Anleger sowie für öffentliche Stellen aus vielen Möglichkeiten (wie Aktien, Anleihen, Immobilien, Hedge-Fonds-Anteile, Edelmetalle, Gutschriften in Fremdwährung, Optionen oder Fonds) geeignete Investitionen in (jeweils festgelegter) Absprache mit dem Kunden auswählt und verwaltet. Siehe Auftragsfonds, Multi-Boutique-Ansatz, Investment Banking, Vermögensverwalter. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aufhebungsentgelt (annulment fee): Nimmt eine Bank die vorzeitige Rückzahlung eines Darlehns an, so wird in der Regel ein Entgelt dafür in Rechnung gestellt. Aufsichtsrechtlich ist gegen diese Praxis nichts einzuwenden. Siehe Bankgebühren, Deduktion, Facility Fee, Festlaufzeit, Überziehungsgebühr, Vorfälligkeits-Entschädigung. Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 194 (solche Entgelte sind aufsichtsrechtlich nicht zu beanstanden). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aufsicht, weltweite (global supervision): Vorschlag, eine einzige globale Aufsichtsbehörde für – Œ alle Finanzdienstleister bzw. Gruppen (Banken, Versicherungen, Fonds; dann auch colleges of supervision genannt) einzurichten. Gegen eine solche Behörde sprechen alle Gründe, die auch eine gesamteuropäische Aufsichtsbehörde als wenig wünschenswert erscheinen lassen. Geordnete Verhältnisse auf dem internationalen Finanzmarkt werden am besten durch Beaufsichtigung vor Ort erreicht. Das schliesst die (ja jetzt schon bestehende enge) Kooperation zwischen den nationalen Aufsichtsbehörden ebensowenig aus wie einheitliche Regeln (rule book), nach denen die nationalen Behörden handeln.

Siehe Aufsicht, europäische, Aufsichts-Harmonisierung, europäische, Fragmentierung, aufsichtliche, Internationaler Währungsfonds, Leaning against the wind, Lehman-Pleite, Lamfalussy-Vorschlag, Subsidiaritätsprinzip. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 42 (Finanzmarktkrise hat Notwendigkeit einer weltweit besser vernetzen Aufsicht offengelegt), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 47 (europäische Lösung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 63 (Leitfaden für die Arbeit und Zusammenarbeit der Aufsichtsgremien). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aufsichtsbehörden (supervisory authorities; prudential authorities, regulatory authorities): Allgemein die in einem Staat gesetzlich eingerichteten Instanzen zur Kontrolle der Tätigkeit auf den Finanzmärkten. Deren Handeln bewirkt eine positive Externalität, weil die Stabilität des Finanzsystems dadurch gestärkt wird. In Euroland hat sich ein dezentrales System der Aufsicht herausgebildet; es nutzt die die Nähe und die besonderen Kenntnisse der verantwortlichen nationalen Instanzen und verbindet dies mit verschiedenen Formen enger der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Siehe Allfinanzaufsicht, Aufsicht, europäische, Aufsicht, weltweite, Aufsichts-Dreieck, Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden, Auswirkungsstudien, Bilanzposten-Deckelung, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Eidgenössische Bankenkommission, Calls for Advice, Cassis-de-Dijon-Urteil, Commodity Futures Trading Commission, Consolidating Supervisor, Enforcement, Federal Deposit Insurance Corporation, Federal Reserve System, Financial Services Authority, Forum Europäischer Wertpapierbehörden, Fragmentierung, aufsichtliche, Free Banking, Fünfhunderter-Regel, Internationale Organisation der Wertpapier-Aufsichtsbehörden, Kleinstversicherer, Lead Supervisor, Lamfalussy-Vorschlag, Makroprudentiell, Office of Comptroller, Office of Thrift Supervision, Peter-Regel, Runder Tisch der Regulierungsbehörden, Sarbanes-Oxley Act, Securities and Exchange Commission, Strukturkonservativismus, Transparenzgrad, Vereinbarungen über den Informationsaustausch, Zwölf-Felder-Risikomatrix. – Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 32, S. 43 (Übersicht der verschiedenen Gremien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 49 (Gegenüberstellung der Aufsicht in Deutschland, England und den USA), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 111 ff. (neue Aufsichtsrichtlinie mit Abgrenzung der Zuständigkeiten von Deutscher Bundesbank und BaFin), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 63 (Leitfaden für die Arbeit und Zusammenarbeit der Aufsichtsgremien). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ausgabe-Aufschlag (issue surcharge): Gebühr, die dem Käufer eines Anteilsscheines eines neu emittierten Wertpapiers und im besonderen eines neu aufgelegten Fonds in Rechnung gestellt wird. Siehe Agio, All-in-Fee, Aufgeld, Ausgabepreis, Begebung, Disagio. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ausschüttung (distribution). Allgemein jeder Gewinn, der aus einer Vermögensanlage erzielt wurde und dem Investor zufliesst. Siehe Erfolg, Ertrag, Investition, Kapital, Kapitaleinkommen, Rendite, Vermögen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Auszahlung (payment): Bei einer Bank die Abgabe von Bargeld an einen Kunden aus dessen Konto. Die Abgabe von Bargeld an einer Ladenkasse durch Belastung der vorgelegten Kundenkarte oder Kreditkarte. Dies kommt (auch wenn im Zuge eines Kaufs nur Spitzenbeträge ausbezahlt werden) grundsätzlich dem Betreiben des Kreditgeschäfts durch den Ladeninhaber gleich und ist erlaubnispflichtig; die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat dazu ein eigenes Merkblatt herausgegeben. Bei einem Unternehmen die Minderung der liquiden Mittel (etwa durch Überweisung vom eigenen Konto an das Finanzamt). Demgegenüber sind Ausgaben nur Erhöhungen der Verbindlichkeiten oder die Minderung von Forderungen. Siehe Einzahlung, Karte, Kassenkladde, Zahlung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Auszug (account statement, accounts current): Im Finanzbereich meint man damit eine Abschrift (Kopie; copy) des Kontostandes. Heute bieten die meisten Institute ausser der kennwortgesicherten (password protected) Einsicht in die Kontenbewegungen (account movements) über Internet auch eine Kontenstands-Abfrage über das Telephon oder einen Ausdruck der Buchungen über einen Kontendrucker (print output) an. Siehe Benutzerfreundlichkeit, Geschäftsstelle, vollautomatische. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Automaten-Abhebegebühr (withdrawal charge at cash machines): Belastung, die bei einer Entnahme von Bargeld an einem nicht-institutseigenen Geldausgabeautomaten von dem automatenaufstellenden Institut verrechnet wird. Die Anschaffung und der Betrieb (Befüllung, Sicherung, Wartung) der Maschinen ist mit Kosten verbunden. Die Institute wollen mit der Gebühr verhindern, dass Kunden fremder Banken und gar von Internatbanken den für den eigenen Kundenkreis gedachten Service nutzen. Hintergrund ist in Deutschland die Tatsache, dass die Grossbanken zwischen 1995 und 2010 etwa 20 000 Auszahlstellen abgebaut haben, während vor allem die Sparkassen diesen Dienst erweiterten. Siehe Bargeldbeschaffung, Bargeldkarte, Bargeldkreislauf, Direktbank, Geldautomaten-Sperre, Geldkarte, Geschäftsstelle, vollautomatische, Internetbank, Kontostands-Abfrage, Skimming. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aval (aval payment guarantee; draft guarantee): Allgemein ein Kreditleihgeschäft, welches jemand (in der Regel eine Bank, aber manchmal auch andere Unternehmen, etwa eine Konzernleitung) durch Übernahme einer Bürgschaft oder Stellung einer Garantie gewährt. Das heisst, dass die Bank keine liquiden Mittel, sondern ihre eigene Kreditwürdigkeit (credit-worthiness) bzw. eine Konzernmutter ihren guten Namen zur Verfügung stellt. Bei Übernahme einer Bürgschaft (surety) verpflichtet sich die Bank, für die Verbindlichkeiten des Kreditnehmers einem Dritten (etwa: anderem Institut, Finanzamt, Frachtführer, Gericht) gegenüber einzustehen. Sie ist akzessorisch (accessory), das heisst streng an die zugrunde liegende Forderung gebunden.

Bei einer Garantie (guarantee, guaranty) verpflichtet sich demgegenüber die Bank, einem Dritten gegenüber für einen bestimmten künftigen Erfolg (etwa: Vorauszahlung an den Lieferanten, Gewährleistung) einzustehen. Sie ist abstrakt und daher nicht an die zugrunde liegende Forderung gebunden. Bei beiden Formen handelt es sich um Eventualverbindlichkeiten, die nach Basel-II in der Bilanz ausgewiesen werden müssen. Avalgeschäfte fallen in Deutschland unter § 1 KWG und sind daher erlaubnispflichtig. Avalgebühr (aval fee) ist das Entgelt, das eine Bank für ihre entsprechenden Dienstleistungen in Rechnung stellt. Im besonderen die Wechselbürgschaft (surety for a bill): durch Mitunterschrift (co-signature) unter einen Wechsel die Anerkenntnis, notfalls für die Wechselsumme einzustehen. Siehe Ausserbilanzgeschäft, Blankett, Diskont, Eventualforderung, Fixed Income Arbitrage, Garantiegeschäft, Patronatserklärung, Wechsel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.