Finanzlexikon S

Scheckeinzugsverfahren, imagegestütztes, ISE (image-based cheque collection system): Im September 2007 in Deutschland von den Verbänden der Kreditwirtschaft zusammen mit der Deutschen Bundesbank eingeführter Weg, um papierene Schecks ab einem Betrag von 6 000 EUR durch die Übermittlung elektronischer Abbilder (Images) zu verrechnen. Weil arbeitstäglich in Deutschland um die 30 000 Schecks über 6 000 EUR abgewickelt werden, so bringt das imagegestützte Einzugsverfahren wesentliche Vorteile (vor allem: Wegfall der Bearbeitung von Formularen und des Schecktransports). Für Schecks unter 6 000 Euro galt bereits die beleglose Abwicklung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Scheckverfügungssperre (cheque access block): Kunden können über einen bei der Bank eingerechten Scheck in der Regel erst nach Ablauf einer gewissen Frist verfügen. Im Inland sind dies meistens zehn Bankarbeitstage und bei Schecks, die auf ein ausländisches Institut eingereicht werden, bis zu einem Monat. Auf Verbraucherbeschwerden hin erklärte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht dies für angemessen. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 219 (Begründung der Verfügungssperre). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schulden (debt, liabilities): Bei einem Privathaushalt die Summe der Forderungen der Kreditgeber. In Bezug auf eine Firma das in dem Unternehmen arbeitende Fremdkapital (the borrowings of any kind that the business may have arranged). Die Forderungen kreditgebender Gläubiger an den Staat (Staatsschulden). Siehe Darlehn, Finanzpolitik, Kredit, Nettogläubiger, Verlusttarnung, Verschuldungsquote, öffentliche, Vertrauensverlust, Verbindlichkeiten. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schulden, notleidende (distressed debt): Bei einer Bank ausfallgefährdete oder bereits als uneinbringlich festgestellte Darlehn. Siehe Arrangement, Ausfallrate, erwartete, Ausfall-Verlust, Ausfallwahrscheinlichkeit, Debt-Equity-Swap, Reintermediation, Entfernung zur Zahlungsunfähigkeit, Kalibrierung, Kredit, notleidender, Kreditverlust, Staatsschulden, verweigerte, Trennschärfe, Validierung, Verlustquote. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldendienst (debt service, debt servicing): Wenn nicht anders definiert, die laufenden Zahlungen für Verzinsung und Tilgung eines auf Kredit erworbenen Vermögensgegenstandes. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldenmanagement (debt management): Durch den Einsatz geeigneter Finanzierungsinstrumente und Laufzeiten eine ausgewogene Gläubigerstruktur zu erreichen. Siehe Arrangierung, Bankregel, goldene, Fälligkeitsgliederung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldtitel (debt instrument): Allgemein ein Dokument, das ein Darlehn oder eine vertragliche Verpflichtung ausweist. Schuldverschreibungen im Sinne von § 793 BGB, wie bei Warenkrediten, Bankdepositen, Wechselschulden, Obligationen, usw. üblich. Rechtlich verbindliche Schuldscheine im Sinne von § 371 BGB, die ausgestellt werden, wenn jemand Geld entleiht. Jederart durch einen Vermögenswert besichertes Wertpapier, einschliesslich der Verbriefungspapiere. Schuldverschreibung. Siehe Papiere, Titel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Scoring (so auch im Deutschen gesagt, seltener Kreditwürdigkeitsprüfung): Wenn nicht anders definiert, so meint man damit das Kredit-Punktbewertungsverfahren, welches Banken zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit (Bonität) und damit zur Berechnung des Kreditausfall-Risikos von Privathaushalten und Antragstellern für ein Darlehn aus dem Kreis der Kleingewerbetreibenden anwenden. Im Jargon wird ein Nachfrager nach einem Darlehn „gescort“. Im Marketing der Banken auch von der zielgenauen Werbung (one-to-one marketing) bei allfälligen Kunden von Finanzdienstleistungen aller Art gesagt.

Bei Call-Centres (zentrale Stelle, bei der Telephongespräche angenommen und verarbeitet werden) der Institute entscheidet häufig der Computer anhand der Ergebnisse des Scoring, welcher Anrufer (in der Regel der Umsatzstärkste: die Telephonstimme fragt daher in der Regel vorab nach der Kontonummer) in der Warteschlange (caller placed on hold) als nächstes bedient wird. Siehe Bankkunden-Profil, Cold Calling, Customasing, Fact Sheet, Internet-Angebote, Mail Shot, Product Placement. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 65 (Scoringsysteme im Sinne von ?). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

SEPA-Lastschriftverfahren (SEPA Direct Debit Scheme; SDD): Zahlungen im System in der Single European Payment Area. Siehe International Bank Account Number. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sichteinlagen (demand deposits; checkable deposits, sight deposits): Guthaben bei einer Bank, über das sofort durch Scheck, Überweisung oder Debitkarte verfügt werden kann. Sie haben aus der Sicht der Zentralbank einen sehr hohen Geldgrad (Liquiditätsgrad). Siehe Guthaben, verfügbares, Liquiditätspräferenz, M1. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Smartkarte auch Prozessorkarte und Krypotokarte (smart card): Eine multifunktionale Chipkarte, heute nur noch als Plastikkarte in der Standardgrösse von 85,6 x 54 x 0,76 mm und mit den gleichen physikalischen Eigenschaften wie eine Magnetstreifenkarte. Ein in die Karte implantierter Chip enthält einen Mikroprozessor und Speicher. Der Begriff Ausdruck „Smartcard“ ist ein eingetragenes Warenzeichen der kanadischen Firma Groupmark. Siehe Chipkarte, Geldkarte, Karte, Kreditkartenfiasko. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Solvenz (solvency): Allgemein die Fähigkeit, allen laufenden Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können (ability to meet financial obligations). In engerem Sinne auch die Möglichkeit eines Unternehmens, im Falle der Insolvenz sämtliche Verbindlichkeiten decken zu können (the ability of a company to honour its commitments in the event of liquidation, i.e. if its operations are wound up and assets are put up for sale). Siehe Zahlungsfähigkeit. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sparen (saving): Allgemein der Nichtverbrauch von Einkommen und in der Regel auf Privathaushalte bezogen. Siehe Ersparnis, Horten, Kontensparen, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Spareinlagen, Sparquote, Staatsverschuldung, konsummindernde. – Vgl. die Definitionen sowie die Bestands- und Zuwachsgrössen unter der Rubrik „Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten“, Unterrubrik „Jährliche Ersparnis, Investitionen und Finanzierung“ im Teil „Statistik des Euro-Währungsgebiets“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sperrkonto (blocked account, frozen account): Guthaben bei einer Bank, über das vertraglich innert einer bestimmten Zeit grundsätzlich nicht frei verfügt werden darf, sprich: keine Abhebungen möglich sind: Festgeld. Guthaben bei einer Bank, über das erst nach Eintritt einer vereinbarten Bedingung frei bestimmt werden kann, beispielsweise nach Volljährigkeit. Während der Devisenzwangswirtschaft in Deutschland 1931 eingerichtet für Gebietsfremde, die deutsche Titel in Besitz hatten, fortan aber die Erträge nicht mehr in ihre heimische Währung umgetauscht bekamen. Überwiesen wurden die Zahlungen in Sperrmark (blocked mark), die grundsätzlich lediglich in Deutschland ausgegeben werden konnte.

Durch Verfügung des Staates, eines Gerichts oder einer Aufsichtsbehörde veranlasstes Einfrieren (blocking) einer Bankverbindung; im besonderen auch ab 1938 in Deutschland aus dem (Zwangs)Verkauf des Eigentums jüdischer Mitbürger erlöste Beträge, die auf entsprechenden Konten einzuzahlen waren; Zugriff hatten bestimmte Dienststellen des Staates; nach 1945 Organisationen, Amtswaltern und teilweise auch nur Mitgliedern der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bzw. deren Gliederungen weggenommenes Geld, in aller Regel unabhängig von der Höhe der Einlagen. Siehe Festkonto, Sperrfrist, Vermögen, gesperrtes, Vorfälligkeits-Entschädigung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Stand-by-Kredit (standby credit): Wenn nicht anders definiert, ein Überbrückungs- oder Bereitschaftskredit an ein Land (eine Zentralbank) bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten. Solche Kredite gewährt statutengemäss der Internationale Währungsfonds. Siehe Bail-out, Defizit-Finanzierungsverbot. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

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