Finanzlexikon B

Bad Bank-Modell, deutsches (German bad bank model): In Deutschland 2009 nach dem im Oktober 2008 in Kraft getretenen Finanzmarktstabilisierungsgesetz verabschiedete Regelungen, um bleibende Unsicherheiten für das Finanzsystem und die Realwirtschaft zu beseitigen. Denn das FMStG zielte nur auf die Passivseite der Banken und konnte die Unsicherheit hinsichtlich der auf der Aktivseite gebuchten Posten nicht beheben. Man schätzte im Frühjahr 2009 hier einen Betrag von 200 Mrd EUR an toxischen Papieren. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Diese konnten die Banken nun über eine längere Zeit hinweg abschreiben, ohne die Institute von einer verursachergerechten Verlusthaftung zu entbinden. Siehe Bad Bank, Finanzkrise, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Mondpreis, Papiere, toxische, Subprime-Krise. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 56 ff. (Bad Bank-Modell in seinen Grundzügen; Beurteilung des Erfolgs), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 93 (kurze Zusammenfassung des Bad-Bank-Gesetzes). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

BaFin: Offizielle Abkürzung für Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Ballon-Kredit (Balloon loan): Ein Darlehn, bei dem die letzte Rate der Rückzahlung besonders hoch ausfällt. Anders ausgedrückt: der Bankkunde zahlt für das Darlehn verhältnismässig niedrige regelmässige Raten. Am Ende der Laufzeit jedoch ist dann der (manchmal bis zur Hälfte des Darlehns zu zahlende) Restbetrag fällig. Siehe Amortisation, Balloon, Freijahre. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bank (bank, banking institution): Jedes Unternehmen (selbst in Gestalt einer Einpersonenfirma), das auf Finanzmärkten irgendwelche Dienstleistungen (auf welchem Vertriebsweg auch immer) anbietet (sehr weiter Begriff der Umgangssprache). Wegen des gesetzlichen Bezeichnungsschutzes in Deutschland vgl. § 39, Abs. 1 KWG. Gebäude, in dem Bankgeschäfte abgewickelt werden (brick and mortar bank). In der Statistik der EZB zuweilen Monetäre Finanzinstitute, die ausserhalb des Euro-Währungsgebiets ansässig sind; vgl. dazu die Erläuterungen im Teil „Statistik des Euro-Währungsgebiets“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB. In der (internationalen) Statistik der BIZ entspricht der Begriff Bank in etwa dem Begriff Monetäres Finanzinstitut. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Siehe Bank, gemischte, Bankgelände, Bankensystem, Bankier, Container-Banking, Direktbank, Internetbank, Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Institut, Internetbank, Kreditbanken, Kreditinstitut, Markteintrittskosten, Multikanalbank, Online-Banking, Schwindelbank, Underground Banking. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 83 ff. (Bankensektor im Eurogebiet) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (dort auch aufsichtsrechtliche Gruppierung der Banken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 37 ff. (Ertragslage seit 1999; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bankassekuranz (bancassurance): Das Angebot von in der Regel eng miteinander verzahnten Bank- und Versicherungsleistungen durch ein einziges Unternehmen. Dabei erfolgt der Vertrieb der entsprechenden Finanzprodukte meistens durch eine Bank, die mit einem Versicherungsunternehmen kapitalmässig oder (seltener) durch entsprechende Verträge verbunden ist. Siehe Allfinanz, Beteiligungsgesellschaft, Complex Group, Financial Services Authority, Finanzkonglomerat, Finanzholding, Gibrat-Regel, Gigabank, Joint Forum on Financial Conglomerates, Mixed Technical Group, Subsidiaritätsprinzip. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 40 f. (dort auch wichtige Unterscheidungen). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bankdienstleistungen (banking services): In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird der Beitrag der Banken zur Wertschöpfung seit 2005 nach einem für alle Länder der EU neu eingeführten Verfahren berechnet. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2005, S. 56 f. (Erläuterungen zur Statistik). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bankenfinanzierung (financing by banks): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Anteil, den Banken an der Versorgung der Unternehmen mit Geld einnehmen. Im Eurogebiet laufen etwa siebzig Prozent aller Finanzierungen über Banken. Siehe Finanzierung. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 18 (zwei Fünftel der Verschuldung deutscher Unternehmen beruhen auf Bankkrediten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bankgebühren (bank charges; fees): Die Entgelte für ihre Dienstleistung setzt eine Bank grundsätzlich selbst fest. Sie müssen jedoch in den meisten Ländern durch Aushang oder auf anderem Wege dem Kunden bekannt gemacht werden. Gegen offenkundig missbräuchliche Berechnungen im Einzelfall können die Aufsichtsbehörden einschreiten. Siehe Abschlussgebühr, All-in-Fee, Aufhebungsentgelt, Courtage, Deduktion, Erbschaftsgebühr, Facility Fee, Front Loading Fee, Gebühr, Gebührenordnung, Courtage, Billing, Deduktion, Entgelt, Fristentransformation, Margendeckung, Mindesteinschuss-Sätze, Provision, Vergütung, Vorfälligkeits-Entschädigung, Überziehungsentgelt. Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 75, Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 199 (Gebühren nur bei Teilausführung eines Auftrags). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bank Identifier Code, BIC (so auch im Deutschen gesagt): International standardisierte Bankleitzahl, mit der ein Kreditinstitut weltweit eindeutig erkannt werden kann, früher auch SWIFT-Code genannt. Neben der IBAN wird auch die BIC für die voll elektronische Durchleitung (straight through processing) von grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrsaufträgen meistens benötigt. Seit November 2009 müssen Banken in Deutschland bei Überweisungen nicht mehr prüfen, ob die Kontonummer zum Empfängername passt. Wohin eine Überweisung geht, richtet sich allein nach der Kontonummer. Siehe International Bank Account Number, Single European Payment Area, Zahlungsverkehrssysteme. Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 242 (Umsetzung der Zahlungsdienstrichtlinie der EU). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bankkonto, in älteren Dokumenten auch Bank-Folio (bank account): Rechnung (im Sinne von Aufstellung, Verzeichnis) der Ein- und Auszahlungen, die ein Institut für den jeweiligen Kunden führt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bankkredit (bank loan, bank credit): Jede Ausleihung eines Instituts an einen Kunden. Siehe Darlehn, Nachrangdarlehn. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bankportal (bank portal): Eingangsseite einer Bank im Internet, über die man zu den Dienstleistungen (vor allem: Online-Banking, Finanzinformationen) des Instituts geführt wird. Siehe Giropay, Online-Banking. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bankzinsen (bank interest): Wenn nicht anders definiert die Zinsen, welche Institute Kreditnehmern berechnen. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 37 ff. (Entwicklung der Bankzinsen im Eurogebiet und in den USA 2003 bis 2009; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. (Ertragslage seit 1973; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bargeldkarte (cash card): Eine Geldkarte, deren Nutzung ausschliesslich auf die Ausgabe von Bargeld an entsprechenden Automaten (automated teller machines, cash dispensers) beschränkt ist. Sie kann also grundsätzlich nicht zur Zahlung an Points of Sale verwendet werden.– Siehe Geld(ausgabe)automat, Geldautomaten-Sperre, Karte, Zahlungskarte. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Basiszins (basis interest rate): In Deutschland definiert im „Gesetz zur Änderung von Vorschriften über die Bewertung von Kapitalanlagen von Versicherungsunternehmen und zur Aufhebung des Diskontsatz-Überleitungs-Gesetzes (Versicherungskapitalanlagen-Bewertungsgesetz, VersKapAG)“ vom 26. März 2002. Die Deutsche Bundesbank berechnet nach den gesetzlichen Vorgaben des § 247, Abs. 1 BGB den Basiszinssatz und veröffentlicht seinen aktuellen Stand gemäss § 247, Abs. 2 BGB im Bundesanzeiger. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Der Basiszinssatz des Bürgerlichen Gesetzbuches dient vor allem als Grundlage für die Berechnung von Verzugszinsen, siehe § 288, Abs. 1, Satz 2 BGB. Er verändert sich zum 1. Januar und 1. Juli eines jeden Jahres um den Betrag, um welche seine Bezugsgrösse seit der letzten Veränderung des Basiszinssatzes gestiegen oder gefallen ist. Bezugsgrösse ist der Zinssatz für die jüngste Hauptrefinanzierungsoperation der Europäischen Zentralbank vor dem ersten Kalendertag des betreffenden Halbjahres. Beispielsweise betrug der Festzinssatz für die letzte Hauptrefinanzierungsoperation der EZB am 30. Dezember 2008 genau 2,50 Prozent.

Er ist seit dem für die letzte Änderung des Basiszinssatzes massgeblichen Zeitpunkt am 1. Juli 2008 um 1,57 Prozent gefallen (der marginale Zinssatz der letzten Hauptrefinanzierungsoperation [Zinstender] im Juni 2008 hatte 4,07 Prozent betragen). Hieraus errechnete sich dann per 1. Januar 2009 ein Basiszinssatz des BGB von 1,62 Prozent (zuvor 3,19 Prozent). Nähere Informationen finden sich auf der Internet-Seite der Deutschen Bundesbank (<http://www.bundesbank.de/>) unter dem Link „FAQ/LlLinks“. Siehe Leitzins, Prime Rate, Tarnkappen-Politik. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Betrag (amount): Im wirtschaftswissenschaftlichen Sprachgebrauch ist damit heute regelmässig eine in Geld ausgedrückte Zahl gemeint, eine Summe; in der Regel in Zusammenhang mit einem bestimmten Wertansatz (etwa auf einer Schuldurkunde) oder einer Zahlung. Meistens verbindet man im besonderen in der Finanzsprache mit dem Begriff zusätzlich auch die Möglichkeit, die entsprechende Summe unschwer in Zahlungsmittel umwandeln (liquidisieren; realise) zu können. Siehe Geld, Mittel, Summe, Total. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bewertungstag (valuation date): Bei der EZB Datum, an welchem die den Kreditoperationen zugrunde liegenden Sicherheiten eine Bewertung erfahren. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bonität (reliability; degree of creditworthiness): Allgemein der gute Ruf, das allseitige Ansehen, das positive Image, welche ein Wirtschaftssubjekt (Privathaushalt, Unternehmen, auch: ein Staat) im geschäftlichen Bereich geniesst. Die Kreditwürdigkeit (Borgkraft) eines Darlehnsnehmers. Kreditwürdig ist ein Schuldner, wenn man davon ausgehen kann, dass er seine vertraglichen Verpflichtungen aus einem Darlehn zuverlässig erfüllen kann und will. Siehe Amortisation, negative, Balanced Fund, Basel-II, Borgkraft, Erstraten-Verzugsklausel, Information, asymmetrische, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditqualität, Kreditrisiko, Kreditspread, Kreditzusage, unwiderrufliche, Negativauslese, Rating, Rating-Agentur, Realkredit, Risikokontrolle, Risikomanagement, Scoring, Übermut, Zinshöhe. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bonitätseinstufung (rating): Die Einschätzung der Zahlungsfähigkeit eines Geschäftspartners anhand gewisser Merkmale. Siehe Rating, Scoring. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bonitätsprüfung (appraisal of creditworthiness, credit assessment, credit screening): Wenn nicht anders definiert die Einschätzung der Kreditwürdigkeit (Borgkraft) eines Kunden durch die Bank. Dies ist eine ureigene Aufgabe in der Verantwortung der Institute, die diese im Wettbewerb wahrzunehmen haben. Die (vorgeschlagene) Übertragung der Bonitätsprüfung an eine wie auch immer geartete Behörde erhöht die Gefahr der Fehlleitung von Geld und damit von knappen Ressourcen; diese gelangen nicht mehr zum besten Wirt (most favourable allocation of resources). Siehe Kredit, Rating, Subsidiaritätsprinzip Übermut. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Buchkredite (credits in current account, advance): Vor allem an Privathaushalte gewährte Darlehn der Banken; von der EZB ganz besonders beobachtet und untersucht. Buchkredite an den privaten Sektor weisen nämlich offenbar Vorlaufeigenschaften in Bezug auf die Preissteigerungsrate auf. Siehe Blankokredit, Kontokorrentkredit, Personalkredit, Privatkredit, Rahmenkredit, Retailgeschäft. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 58, Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 68 ff. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bundesschatzbriefe (German federal saving bonds): In Deutschland seit 1969 vom Bund für private Anleger ausgegebene Wertpapiere mit einer Laufzeit von sechs (Typ A) bzw. sieben (Typ B) Jahren mit einem Nennbetrag ab 50 EUR. Die Zinsen werden hier mit den Zinseszinsen angesammelt; der Anleger erhält bei Fälligkeit oder vorzeitiger Rückgabe sein Kapital zusammen mit dem aufgelaufenen Zinsbetrag in einer Summe ausbezahlt. Die Besonderheit der Bundesschatzbriefe liegt in den nach einem festen Plan steigenden Zinsen. Siehe Aufzinsungspapier. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Bürgschaft in älteren Dokumenten auch Eviktion und Expromission (guarantee, security, bail): Die vertragliche übernommene Verpflichtung einer Person oder einer Entität, für die Erfüllung der Verbindlichkeiten eines Schuldners gegenüber dem Gläubiger einzustehen; siehe §§ 765 ff BGB. Siehe Aval, Garantie, Patronatserklärung. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 75 (Auswirkung staatlicher Bürgschaften). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

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